Schlagwort: Portfoliomanagement

  • Interview mit Markus Pimpl (Partners Group)

    Private Markets sind in Evergreen-Fonds (zum Teil auch als semi-liquide Fonds bezeichnet) schon seit vielen Jahren etabliert. Im ELTIF-Mantel konnte sich diese Kombination erst seit der ELTIF 2.0 Regulierung durchsetzen. Seitdem wird viel darüber diskutiert, ob und wie Private Markets und Evergreen-Strukturen im ELTIF-Mantel zusammenpassen.

    Um dies ausführlich zu beleuchten, spreche ich mit Markus Pimpl von der Partners Group. Es gibt wahrscheinlich wenig bessere Ansprechpartner, um sich sowohl über Evergreen- als auch über ELTIF-Fonds auszutauschen. Denn in beiden Bereichen war die Partners Group einer der ersten Produktanbieter.

    Derzeit verwaltet die Partners Group eine Vielzahl von Evergreen-Fonds und darunter einen eigenen Evergreen-ELTIF.

    ELTIF.info: Die Partners Group gilt als Pionier und Vorreiter in Bezug auf die Auflage von Evergreen Fonds. Wann wurde der erste Evergreen-Fonds durch die Partners Group aufgelegt und was war damals der Grund dafür?

    Markus Pimpl: Den ersten Evergreen-Fonds haben wir im Jahr 2001 aufgelegt. Auslöser war der Wunsch institutioneller Investoren, wie Pensionskassen, nach einer Struktur, die ein konstant hohes Investmentlevel ermöglicht.

    Bei geschlossenen Fonds müssen Investoren Kapitalzusagen leisten, die erst später abgerufen werden, während gleichzeitig erste Rückflüsse einsetzen. Dies führt zu einer schwankenden Investitionsquote. Viele Investoren wollten dieses Modell vermeiden und bevorzugten eine Lösung, bei der das Kapital dauerhaft investiert bleibt.

    Dies ist die Geburtsstunde unseren Evergreen-Konzeptes gewesen. Über viele Jahre diente es insbesondere kleineren institutionellen Anlegern sowie sehr vermögenden Privatkunden als attraktive Option – gerade in Zeiten, in denen es den ELTIF noch nicht gab. Heute sind Evergreens ein wesentlicher Bestandteil der von uns verwalteten Vermögen und über viele Jahre waren wir die einzigen mit einem entsprechenden Angebot.

    Markus Pimpl

    Markus Pimpl, Managing Director, ist Head European Private Wealth Solutions mit Sitz in Zug. Er ist seit 2007 bei der Partners Group tätig und bringt insgesamt 26 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit.

    Vor seinem Einstieg bei der Partners Group war er unter anderem bei Reuters, Saunders & Zellweger sowie Sal. Opennheim Jr. & Cie. tätig. Er hat einen Diplomabschluss in Betriebswirtschaft von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Lahr, Deutschland.

    Markus Pimpl
    Managing Director

    ELTIF.info: Seit wann sind Sie in der Produktentwicklung von Evergreen-Fonds involviert und in welcher Funktion?

    Markus Pimpl: Ich bin im Jahr 2007 zur Partners Group gekommen und war zunächst für unsere liquiden Privatmarktthemen verantwortlich. Ab 2013 wurde ich auf das Thema ELTIF aufmerksam, das ich für strategisch interessant hielt. Die Partners Group fördert unternehmerisches Denken, und so erhielt ich den Auftrag, das Thema vertieft zu analysieren.

    2016 lancierten wir schließlich unseren ersten ELTIF – den ersten ELTIF überhaupt, der an Privatanleger vertrieben wurde. Dieser Fonds war einer der ersten, der vollständig investiert war und bereits früh Rückflüsse generierte. In diesem Zusammenhang habe ich auch mit den europäischen Institutionen zusammengearbeitet, als die ELTIF‑2.0‑Regulierung diskutiert wurde.

    Heute arbeite ich an maßgeschneiderten Lösungen, die wir gemeinsam mit Vermögensverwaltern in Europa entwickeln.

    ELTIF.info: In dieser Zeitspanne lagen einige Krisen in den Finanzmärkten. Was waren die größten Herausforderungen und welche großen Veränderungen haben die Evergreen-Fonds in diesem Zeitraum erlebt?

    Markus Pimpl: In den vergangenen Jahrzehnten haben wir mehrere schwierigen Marktphasen erlebt: darunter die Finanzkrise, die Eurokrise und zuletzt den Krieg in der Ukraine. Ein entscheidender Vorteil der Partners Group ist, dass wir Evergreens über viele Zyklen hinweg gemanagt haben und daher auf umfangreiche Erfahrungswerte zurückgreifen können.

    Gerade Krisen bieten oft attraktive Investmentgelegenheiten. Gleichzeitig führen Rückflüsse in solchen Phasen dazu, dass vorhandene Liquidität tendenziell abgebaut wird, was das Portfolio potenziell destabilisieren kann. Unser Anspruch ist es daher, ein langfristig ausgerichtetes, vorausschauendes Liquiditäts- und Portfoliomanagement zu betreiben.

    Über die letzten 20 Jahre haben wir diese Expertise kontinuierlich verfeinert. Ein spezialisiertes Team widmet sich ausschließlich der Portfolioplanung und Feinsteuerung. Dieser Ansatz hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir auch in anspruchsvollen Marktphasen robust aufgestellt waren.

    ELTIF.info: Sie bieten eigene ELTIF-Fonds an und sind auch Kooperationspartner von großen lokalen Instituten. Wie sehen Sie in Europa das Verständnis hinsichtlich der Funktionsweise von Evergreen-ELTIFs – speziell deren Liquiditätseigenschaften?

    Markus Pimpl: Ein zentrales Thema in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist die Weiterbildung von Beraterinnen und Beratern. Dieses Thema liegt mir und auch den Kooperationspartnern sehr am Herzen. Denn die Öffnung der Privatmärkte für Privatanleger erfordert ein fundiertes Verständnis der Produkte.

    Nur wenn Berater die Funktionsweise verstehen, können sie Kunden entsprechend begleiten. Und nur informierte Kunden handeln besonnen und bleiben langfristig investiert.

    ELTIF 1.0 hatte in deutschsprachigen Märkten anfänglich einen schweren Stand. Das lag nicht zuletzt ab den negativen Erfahrungen vieler Berater und Kunden mit geschlossenen Beteiligungsmodellen. In den letzten zwei bis drei Jahren hat sich diese Haltung spürbar verändert. Es gibt eine zunehmende Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dessen Mehrwert für Kundenportfolios zu erkennen.

    ELTIF.info: Waren Sie überrascht, dass ein erster Evergreen-ELTIF die Rücknahme von Fondsanteilen ausgesetzt hat? Und wie empfanden Sie die Art der Berichterstattung?

    Markus Pimpl: Einige der veröffentlichten Artikel waren meines Erachtens unnötig zugespitzt. Auf den zweiten Blick erkennt man schnell, dass es sich um einen offenen Immobilienfonds handelt, der nachträglich in einen ELTIF umgewandelt wurde.

    Dieser Fonds wurde nie als Evergreen‑ELTIF konzipiert, sondern war ein offener Immobilienfonds. Er wurde zu einem Zeitpunkt konvertiert, als zahlreiche offene Immobilienfonds bereits strukturelle Herausforderungen hatten. Vor diesem Hintergrund halte ich es für verkürzt, die Situation dem ELTIF per se anzulasten.

    Grundsätzlich müssen wir Gatings differenziert betrachten. Sie können ein sinnvolles Instrument zum Schutz der Investoren sein. Problematisch ist ein Gating nur, wenn es aufgrund unzureichenden Managements erfolgt.

    Meines Erachtens werden wir künftig weitere Fälle sehen, die auf mangelnde Erfahrung im Evergreen‑Management zurückzuführen sind. Ein Evergreen zu verwalten, solange Mittelzuflüsse vorhanden sind, ist vergleichsweise einfach. Die eigentliche Herausforderung zeigt sich erst in Marktphasen ohne Zuflüsse, auf welche man vorbereitet sein muss.

    ELTIF.info: In der Öffentlichkeit hat sich noch kein Begriff so richtig durchgesetzt: Evergreen-Fonds oder semi-liquide Fonds. Wie gehen Sie mit diesen Begriffen in der Kommunikation um?

    Markus Pimpl: Früher verwendeten wir den Begriff „semi-liquide“. Wir haben jedoch festgestellt, dass sich vor allem das Wort „Liquidität“ einprägt. Aber dieses beschreibt Private‑Markets‑Evergreens nicht zutreffend, da die zugrunde liegenden Anlagen typischerweise illiquide sind.

    Daher haben wir unser Wording umgestellt und sprechen ausschließlich von „Evergreen-Fonds“. In diesem Zusammenhang betonen wir bewusst den Begriff „Flexibilität“ anstatt „Liquidität“.

    ELTIF.info: Was sind für Sie sind die wichtigsten Portfoliomanagement-Ansätze, um einen Evergreen-Fonds zu verwalten?

    Markus Pimpl: Zentral ist zunächst die Struktur der illiquiden Anlagen und der Zugang zu ihnen. Direktinvestitionen spielen für uns eine zentrale Rolle. Als Lead Investor haben wir eine deutlich bessere Visibilität hinsichtlich geplanter Exits.

    Secondaries eignen sich gut als Ergänzung. Primaries hingegen sind für Evergreens schwierig, da der Zeitpunkt der Kapitalabrufe unvorhersehbar ist und im ungünstigsten Szenario fallen sie in eine Phase erhöhter Rückgaben.

    Ebenso wichtig ist ein sorgfältiger und vorausschauender Portfolioaufbau mit Sinn und Verstand. Schon zu Beginn muss klar sein, wie das Portfolio langfristig strukturiert sein soll. In manchen Jahren haben wir Mittelzuflüsse bewusst begrenzt, um nicht zu viele Gelder in einem Jahrgang zu investieren. Denn wir möchten in unseren Evergreens auch eine Diversifikation hinsichtlich der „Vintage‑Years“ erzielen.

    Sollte es einmal zu außergewöhnlich hohen Rückgaben kommen, würden wir zum Schutz der verbleibenden Investoren gegebenenfalls ein Gating einsetzen.

    ELTIF.info: Wie balancieren Sie im Portfoliomanagement die Mindestliquidität und das Investment-Level aus?

    Markus Pimpl: Wir halten selbstverständlich die regulatorisch geforderte Liquidität vor. Darüber hinaus analysieren wir kontinuierlich, welche Liquidität das Portfolio selbst generiert. Das ist die bei uns sogenannte Sekundärliquidität. Sie kann eine bedeutende Rolle spielen: sowohl zur Erhöhung der Flexibilität als auch zur Sicherstellung der Investitionsfähigkeit in attraktiven Marktphasen.

    ELTIF.info: Was wären typischer Positionen oder Asset für diese Sekundärliquidität?

    Markus Pimpl: Bei einem Multi‑Asset‑ELTIF eignet sich Private Credit hervorragend, da regelmäßige Zinszahlungen Liquidität generieren.

    Bei einem reinen Private‑Equity‑ELTIF sind Direktinvestitionen entscheidend. Aufgrund der genauen Kenntnis der Portfoliounternehmen wissen wir sehr genau, wann Rückflüsse zu erwarten sind: etwa im ersten oder zweiten Quartal 2026. Diese absehbaren Rückflüsse ermöglichen eine präzise Liquiditätsplanung.

    ELTIF.info: Welche Sorge ist größer: aufgrund von zu hoher Liquidität (Cash Drag) nicht genug Performance zu erzielen? Oder aufgrund von zu niedriger Liquidität die Rückgaben einschränken zu müssen?

    Markus Pimpl: Dank der Sekundärliquidität können wir das Portfolio sehr gezielt steuern und haben daher keine strukturellen Probleme mit überhöhter Liquidität.

    Das Thema Cash Drag wird oft diskutiert und ich werde damit häufig auf Panel-Diskussionen konfrontiert. Und ja, kurzfristig kann das Cash die Rendite etwas dämpfen. Im Vergleich zu geschlossenen Fonds sind Evergreen‑Investoren jedoch ab dem ersten Tag voll investiert, während geschlossene Fonds zu Beginn häufig nur zu 20–30 % investiert sind. Über einen langen Zeitraum ist das Investitionslevel bei Evergreens hoch, denn Rückflüsse werden zügig neu investiert. Von diesem Zinseszinseffekt im Evergreen-Fonds profitieren deren Anleger erheblich.

    ELTIF.info: Einen Blick in die Zukunft geworfen: welche Anlageklassen und welche Arten von Fondsgesellschaften werden langfristig die größten Erfolgsaussichten haben?

    Markus Pimpl: Vorab: ich bin überzeugt, dass mittel‑ bis langfristig eine Privatmarktallokation zu einem professionell geführten Privatkundenportfolio gehören wird. Das Gesamtsegment wird weiter wachsen. Ob dies schnell oder schrittweise geschieht, bleibt abzuwarten.

    Über andere Fondsgesellschaften kann ich nicht sprechen. Ich bin davon überzeugt, dass Erfahrung im Privatmarktbereich ein entscheidender Erfolgsfaktor sein wird. Gleichzeitig wird der „ELTIF“ künftig ein sehr breites Spektrum an Lösungen umfassen. Für Investoren wird es dadurch anspruchsvoller, Produkte zu vergleichen und einzuordnen.

    Ich sehe mit etwas Sorge, dass aktuell sehr viele neue Evergreen-Fonds entstehen und dies teilweise von Managern mit wenig Privatmarkt- und Evergreen-Erfahrung. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Anleger und Vermittler.

    Daher begrüße ich Initiativen wie ELTIF.info, die zu realistischen Erwartungen beitragen und das Verständnis für diese Anlageklasse stärken.

    Herr Pimpl, vielen Dank für Ihre Zeit und die Einblicke in die Welt der Evergreen-Fonds

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