Schlagwort: Liquidität

  • Interview mit Marc Tavakolian (Oddo BHF)

    Die ELTIF 2.0 Regulierung hat die Möglichkeiten für Private-Market-Investments erweitert. Die Anzahl der zugelassenen Fonds steigt daher an und auch die Nachfrage entwickelt sich positiv.

    Einige konkreten Entwicklungen in Bezug auf Evergreen-Strukturen, Liquiditätsbedingungen und deren Akzeptanz konnte ich mit Marc Tavakolian von Oddo BHF besprechen. Als Private-Asset-Spezialist bei einem französisch-deutschen Haus ist auch seine Einschätzung über Private Markets in Frankreich sehr wertvoll.

    Oddo BHF verwaltet einen Private-Equity-ELTIF und hat seit etlichen Jahren ein eigenes Private-Assets-Team.

    ELTIF.info: Herr Tavakolian, Oddo BHF kennt Private Markets sowohl aus der Anbieter- als auch aus der Investorenperspektiven. Was waren die wichtigsten Gründe keinen ELTIF 1.0 aufzulegen, und ist der ELTIF 2.0 aus Ihrer Sicht ein geeignetes Vehikel für Privatkunden?

    Marc Tavakolian: ELTIF 1.0 war für die meisten Privatkunden nicht geeignet. Die Anlagevorschriftenwaren zu eng, die Strukturen zu unflexibel und der Zugang für Privatanleger zu restriktiv. ELTIF 2.0 behebt genau diese Schwächen. Die neue Regulierung bietet erweiterte Anlageoptionen, inklusive einer modernen Liquiditätsarchitektur und einen deutlich vereinfachten Vertriebsrahmen.

    ELTIF.info: Neben den regulatorischen Änderungen: Warum sind die sogenannten Evergreen-Strukturen – auch außerhalb des ELTIF – populär geworden? Sind Private Markets liquider geworden?

    Marc Tavakolian: Evergreen-Strukturen sind vor allem wegen ihrer Flexibilität attraktiv. Investoren können unter bestimmten Bedingungen laufend investieren und periodisch Liquidität erhalten, statt jahrelang in Kapitalzusage -und- Kapitalabruf-Strukturen eingebunden zu sein.

    Private Markets sind dadurch aber nicht liquider geworden. Die Liquidität entsteht allein über die Struktur. Sie basiert auf Quoten, Fristen für Kapitalabrufe, Liquiditätspuffern und anderen Instrumenten zur Schaffung von Liquidität. Das ergibt sich aus der Konstruktion des Fonds und ist nicht naturgegeben.

    Marc Tavakolian

    Ein gebürtiger Niederrheiner, Diplom‑Kaufmann der Universität zu Köln und seit dem Jahr 2000 in Paris lebend, der seine internationale Karriere zunächst als Investmentbanker bei zwei französischen Häusern begann. Anschließend arbeitete er mehrere Jahre für eine deutsche Unternehmer‑ und Milliardärsfamilie im Bereich Private Equity, Private Debt und Real Estate, bevor er 2023 zu ODDO BHF wechselte. Als jemand, der sechs Sprachen spricht und seine Energie im CrossFit‑Training findet, verbindet er kulturelle Vielseitigkeit, analytische Tiefe und athletische Disziplin zu einem modernen, global ausgerichteten Profil.

    Marc Tavakolian

    Private Assets – Head of Investor Relations Germany, Austria & Switzerland

    ELTIF.info: Hat es Sie überrascht, dass es bereits einen Fall eines Evergreen-ELTIFs gibt, der die Rückgabemöglichkeiten einschränkt?

    Marc Tavakolian: Nein. Dieser Fall zeigt, dass die Schutzmechanismen funktionieren. Wenn Rückgaben eine definierte Schwelle überschreiten, wird ein Gate aktiviert, der Kapitalabfluss also eingeschränkt. Das ist kein struktureller Mangel, sondern die Umsetzung dessen, was der Regulator ausdrücklich vorgesehen hat, um verbleibende Anleger zu schützen.

    ELTIF.info: Viele ELTIF-Kritiker sehen sich im aktuellen Fall in Ihren Befürchtungen bestätigt. Haben diese recht, dass Private-Market-Assets nicht in Evergreen-Strukturen passen?

    Marc Tavakolian: Nein. Er bestätigt, dass die Strukturqualität entscheidend ist. Das Zusammenspiel aus Asset-Klasse, Verschuldung, Diversifikation und Liquiditätsmanagement bestimmt die Tragfähigkeit. Bei Eigenkapital-Immobilien mit Fremdkapital ist das Liquiditätsprofil naturgemäß anspruchsvoller.

    ELTIF.info: Die Bandbreite an ELTIF-Fonds ist sehr groß: sowohl in Bezug auf Anlageklassen – wie Private Equity oder Private Debt – als auch in Bezug auf die eingesetzten Instrumente – wie Co-Investments, Primary- oder Secondary-Fonds. Wo sehen Sie aktuell die sinnvollsten Kombinationsmöglichkeiten für Evergreen-ELTIFs.

    Marc Tavakolian: Eine robuste Portfoliostruktur kann beispielsweise durch die Kombination eines stabilen Ertragsankers – beispielsweise in Form von Primaries – mit Secondaries erreicht werden. Secondaries helfen dabei, die Durationslücke zu verkürzen und Rückflüsse zu glätten.

    Ergänzend können selektive Co‑Investments zusätzliche Renditepotenziale erschließen, ohne die Liquiditätsmechanik zu belasten. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, die Gesamtkostenquote des Portfolios zu reduzieren.

    ELTIF.info: Wie schätzen Sie allgemein das Verständnis der Liquiditätsbedingungen von Private-Market-Evergreen-Fonds ein? Wird beispielsweise die Aktivierung eines Gates als Schutzmechanismus wahrgenommen oder als Warnsignal für Probleme?

    Marc Tavakolian: Im professionellen Publikum wird ein Gate überwiegend als Schutzmechanismus interpretiert. Es zeigt, dass die Interessen der Anleger professionell geschützt werden. Im Retail-Bereich besteht oft Unsicherheit. Deshalb ist es wichtig, vor einer Zeichnung mit konkreten Szenarien zu arbeiten. Wer die Struktur versteht, sieht ein Gate als Feature, nicht als Alarmzeichen. Gleichwohl müssen Anleger bei einer Private-Equity-Investition das Risiko eines Kapitalverlusts berücksichtigen.

    ELTIF.info: Mit Ihrem Zugang zum französischen Markt: Wie werden dort die Entwicklung des ELTIF-Marktes und speziell von Evergreen-Strukturen gesehen?

    Marc Tavakolian: Frankreich gehört seit Jahren zu den dynamischsten europäischen Märkten für Retail-Private-Markets. Das liegt an einer hoch entwickelten Anlegerkultur, einer starken Verbandslandschaft und der Offenheit des Marktes für neue Strukturen. Historisch waren insbesondere die verschiedenen FCPR-Vehikel prägend, die den Zugang zu nicht-liquiden Anlagen früh verbreitert haben. Obwohl die steuerbegünstigten Varianten heute enger reguliert sind und an relativer Bedeutung verlieren, besteht in Frankreich eine tief verwurzelte Bereitschaft, Private-Market-Produkte auch im Privatkundensegment breit zu nutzen.

    Vor diesem Hintergrund werden Evergreen-Strukturen als logische Weiterentwicklung wahrgenommen. Sie passen zur französischen Tradition langfristiger Anlagen und werden als Instrument gesehen, das die bisherigen FCPR-Modelle modernisiert, da sie fortlaufende Zeichnungen und eine klarere Anlegererfahrung ermöglichen.

    Evergreen gilt in Frankreich nicht als exotische Innovation, sondern als natürlicher nächster Schritt der Demokratisierung von Private Markets – insbesondere vor dem Hintergrund der seit 2020 deutlich gewachsenen Zahl aktiver Privatinvestoren.

    Beim ELTIF 2.0 überwiegt ebenfalls Optimismus. Die regulatorischen Anpassungen werden als deutlicher Fortschritt gesehen, weil sie den Vertrieb vereinfachen, den Einsatz moderner Liquiditätsmechanismen erlauben und eine europäische Passfähigkeit schaffen, die über Frankreich hinausreicht. Anders als ELTIF 1.0 wird die neue Version als marktfähig betrachtet. Das Zusammenspiel aus Evergreen-Mechanik und ELTIF-Rahmen wird in Frankreich deshalb positiv bewertet. Man sieht darin eine Chance, einen europäischen Standard für langfristige Anlagen zu etablieren, der funktional ähnlich verbindend wirken könnte wie UCITS im liquiden Bereich.

    ELTIF.info: Wenn Sie einen Wunsch hätten: Was sollte sich (regulatorisch) ändern, damit der ELTIF langfristig zum Erfolg wird?

    Marc Tavakolian: Am wichtigsten ist eine einheitliche und planbare Aufsichtspraxis in Europa. Die Regeln sind da, jetzt geht es um konsistente Anwendung.

    Zudem wäre eine weitere Harmonisierung der Vertriebsanforderungen hilfreich. Weniger nationale Sonderwege würden den grenzüberschreitenden Vertrieb erheblich vereinfachen und das Vertrauen der Anleger stärken.

    Zuallerletzt würde es mich freuen, wenn verstärkt Aufklärung zum Thema Private Markets betrieben wird, um zu vermeiden, dass Produkte guter, transparenter Anbieter bei der nächsten Negativschlagzeile eines ELTIFs in Sippenhaft genommen werden. Nicht jeder ELTIF gleicht dem anderen, genauso wenig dies bei ETFs oder UCITS-Fonds der Fall ist.

    ELTIF.info: Herr Tavakolian, vielen Dank für Ihre Zeit und Ausführungen.

  • Interview mit Markus Pimpl (Partners Group)

    Private Markets sind in Evergreen-Fonds (zum Teil auch als semi-liquide Fonds bezeichnet) schon seit vielen Jahren etabliert. Im ELTIF-Mantel konnte sich diese Kombination erst seit der ELTIF 2.0 Regulierung durchsetzen. Seitdem wird viel darüber diskutiert, ob und wie Private Markets und Evergreen-Strukturen im ELTIF-Mantel zusammenpassen.

    Um dies ausführlich zu beleuchten, spreche ich mit Markus Pimpl von der Partners Group. Es gibt wahrscheinlich wenig bessere Ansprechpartner, um sich sowohl über Evergreen- als auch über ELTIF-Fonds auszutauschen. Denn in beiden Bereichen war die Partners Group einer der ersten Produktanbieter.

    Derzeit verwaltet die Partners Group eine Vielzahl von Evergreen-Fonds und darunter einen eigenen Evergreen-ELTIF.

    ELTIF.info: Die Partners Group gilt als Pionier und Vorreiter in Bezug auf die Auflage von Evergreen Fonds. Wann wurde der erste Evergreen-Fonds durch die Partners Group aufgelegt und was war damals der Grund dafür?

    Markus Pimpl: Den ersten Evergreen-Fonds haben wir im Jahr 2001 aufgelegt. Auslöser war der Wunsch institutioneller Investoren, wie Pensionskassen, nach einer Struktur, die ein konstant hohes Investmentlevel ermöglicht.

    Bei geschlossenen Fonds müssen Investoren Kapitalzusagen leisten, die erst später abgerufen werden, während gleichzeitig erste Rückflüsse einsetzen. Dies führt zu einer schwankenden Investitionsquote. Viele Investoren wollten dieses Modell vermeiden und bevorzugten eine Lösung, bei der das Kapital dauerhaft investiert bleibt.

    Dies ist die Geburtsstunde unseren Evergreen-Konzeptes gewesen. Über viele Jahre diente es insbesondere kleineren institutionellen Anlegern sowie sehr vermögenden Privatkunden als attraktive Option – gerade in Zeiten, in denen es den ELTIF noch nicht gab. Heute sind Evergreens ein wesentlicher Bestandteil der von uns verwalteten Vermögen und über viele Jahre waren wir die einzigen mit einem entsprechenden Angebot.

    Markus Pimpl

    Markus Pimpl, Managing Director, ist Head European Private Wealth Solutions mit Sitz in Zug. Er ist seit 2007 bei der Partners Group tätig und bringt insgesamt 26 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit.

    Vor seinem Einstieg bei der Partners Group war er unter anderem bei Reuters, Saunders & Zellweger sowie Sal. Opennheim Jr. & Cie. tätig. Er hat einen Diplomabschluss in Betriebswirtschaft von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Lahr, Deutschland.

    Markus Pimpl
    Managing Director

    ELTIF.info: Seit wann sind Sie in der Produktentwicklung von Evergreen-Fonds involviert und in welcher Funktion?

    Markus Pimpl: Ich bin im Jahr 2007 zur Partners Group gekommen und war zunächst für unsere liquiden Privatmarktthemen verantwortlich. Ab 2013 wurde ich auf das Thema ELTIF aufmerksam, das ich für strategisch interessant hielt. Die Partners Group fördert unternehmerisches Denken, und so erhielt ich den Auftrag, das Thema vertieft zu analysieren.

    2016 lancierten wir schließlich unseren ersten ELTIF – den ersten ELTIF überhaupt, der an Privatanleger vertrieben wurde. Dieser Fonds war einer der ersten, der vollständig investiert war und bereits früh Rückflüsse generierte. In diesem Zusammenhang habe ich auch mit den europäischen Institutionen zusammengearbeitet, als die ELTIF‑2.0‑Regulierung diskutiert wurde.

    Heute arbeite ich an maßgeschneiderten Lösungen, die wir gemeinsam mit Vermögensverwaltern in Europa entwickeln.

    ELTIF.info: In dieser Zeitspanne lagen einige Krisen in den Finanzmärkten. Was waren die größten Herausforderungen und welche großen Veränderungen haben die Evergreen-Fonds in diesem Zeitraum erlebt?

    Markus Pimpl: In den vergangenen Jahrzehnten haben wir mehrere schwierigen Marktphasen erlebt: darunter die Finanzkrise, die Eurokrise und zuletzt den Krieg in der Ukraine. Ein entscheidender Vorteil der Partners Group ist, dass wir Evergreens über viele Zyklen hinweg gemanagt haben und daher auf umfangreiche Erfahrungswerte zurückgreifen können.

    Gerade Krisen bieten oft attraktive Investmentgelegenheiten. Gleichzeitig führen Rückflüsse in solchen Phasen dazu, dass vorhandene Liquidität tendenziell abgebaut wird, was das Portfolio potenziell destabilisieren kann. Unser Anspruch ist es daher, ein langfristig ausgerichtetes, vorausschauendes Liquiditäts- und Portfoliomanagement zu betreiben.

    Über die letzten 20 Jahre haben wir diese Expertise kontinuierlich verfeinert. Ein spezialisiertes Team widmet sich ausschließlich der Portfolioplanung und Feinsteuerung. Dieser Ansatz hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir auch in anspruchsvollen Marktphasen robust aufgestellt waren.

    ELTIF.info: Sie bieten eigene ELTIF-Fonds an und sind auch Kooperationspartner von großen lokalen Instituten. Wie sehen Sie in Europa das Verständnis hinsichtlich der Funktionsweise von Evergreen-ELTIFs – speziell deren Liquiditätseigenschaften?

    Markus Pimpl: Ein zentrales Thema in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist die Weiterbildung von Beraterinnen und Beratern. Dieses Thema liegt mir und auch den Kooperationspartnern sehr am Herzen. Denn die Öffnung der Privatmärkte für Privatanleger erfordert ein fundiertes Verständnis der Produkte.

    Nur wenn Berater die Funktionsweise verstehen, können sie Kunden entsprechend begleiten. Und nur informierte Kunden handeln besonnen und bleiben langfristig investiert.

    ELTIF 1.0 hatte in deutschsprachigen Märkten anfänglich einen schweren Stand. Das lag nicht zuletzt ab den negativen Erfahrungen vieler Berater und Kunden mit geschlossenen Beteiligungsmodellen. In den letzten zwei bis drei Jahren hat sich diese Haltung spürbar verändert. Es gibt eine zunehmende Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dessen Mehrwert für Kundenportfolios zu erkennen.

    ELTIF.info: Waren Sie überrascht, dass ein erster Evergreen-ELTIF die Rücknahme von Fondsanteilen ausgesetzt hat? Und wie empfanden Sie die Art der Berichterstattung?

    Markus Pimpl: Einige der veröffentlichten Artikel waren meines Erachtens unnötig zugespitzt. Auf den zweiten Blick erkennt man schnell, dass es sich um einen offenen Immobilienfonds handelt, der nachträglich in einen ELTIF umgewandelt wurde.

    Dieser Fonds wurde nie als Evergreen‑ELTIF konzipiert, sondern war ein offener Immobilienfonds. Er wurde zu einem Zeitpunkt konvertiert, als zahlreiche offene Immobilienfonds bereits strukturelle Herausforderungen hatten. Vor diesem Hintergrund halte ich es für verkürzt, die Situation dem ELTIF per se anzulasten.

    Grundsätzlich müssen wir Gatings differenziert betrachten. Sie können ein sinnvolles Instrument zum Schutz der Investoren sein. Problematisch ist ein Gating nur, wenn es aufgrund unzureichenden Managements erfolgt.

    Meines Erachtens werden wir künftig weitere Fälle sehen, die auf mangelnde Erfahrung im Evergreen‑Management zurückzuführen sind. Ein Evergreen zu verwalten, solange Mittelzuflüsse vorhanden sind, ist vergleichsweise einfach. Die eigentliche Herausforderung zeigt sich erst in Marktphasen ohne Zuflüsse, auf welche man vorbereitet sein muss.

    ELTIF.info: In der Öffentlichkeit hat sich noch kein Begriff so richtig durchgesetzt: Evergreen-Fonds oder semi-liquide Fonds. Wie gehen Sie mit diesen Begriffen in der Kommunikation um?

    Markus Pimpl: Früher verwendeten wir den Begriff „semi-liquide“. Wir haben jedoch festgestellt, dass sich vor allem das Wort „Liquidität“ einprägt. Aber dieses beschreibt Private‑Markets‑Evergreens nicht zutreffend, da die zugrunde liegenden Anlagen typischerweise illiquide sind.

    Daher haben wir unser Wording umgestellt und sprechen ausschließlich von „Evergreen-Fonds“. In diesem Zusammenhang betonen wir bewusst den Begriff „Flexibilität“ anstatt „Liquidität“.

    ELTIF.info: Was sind für Sie sind die wichtigsten Portfoliomanagement-Ansätze, um einen Evergreen-Fonds zu verwalten?

    Markus Pimpl: Zentral ist zunächst die Struktur der illiquiden Anlagen und der Zugang zu ihnen. Direktinvestitionen spielen für uns eine zentrale Rolle. Als Lead Investor haben wir eine deutlich bessere Visibilität hinsichtlich geplanter Exits.

    Secondaries eignen sich gut als Ergänzung. Primaries hingegen sind für Evergreens schwierig, da der Zeitpunkt der Kapitalabrufe unvorhersehbar ist und im ungünstigsten Szenario fallen sie in eine Phase erhöhter Rückgaben.

    Ebenso wichtig ist ein sorgfältiger und vorausschauender Portfolioaufbau mit Sinn und Verstand. Schon zu Beginn muss klar sein, wie das Portfolio langfristig strukturiert sein soll. In manchen Jahren haben wir Mittelzuflüsse bewusst begrenzt, um nicht zu viele Gelder in einem Jahrgang zu investieren. Denn wir möchten in unseren Evergreens auch eine Diversifikation hinsichtlich der „Vintage‑Years“ erzielen.

    Sollte es einmal zu außergewöhnlich hohen Rückgaben kommen, würden wir zum Schutz der verbleibenden Investoren gegebenenfalls ein Gating einsetzen.

    ELTIF.info: Wie balancieren Sie im Portfoliomanagement die Mindestliquidität und das Investment-Level aus?

    Markus Pimpl: Wir halten selbstverständlich die regulatorisch geforderte Liquidität vor. Darüber hinaus analysieren wir kontinuierlich, welche Liquidität das Portfolio selbst generiert. Das ist die bei uns sogenannte Sekundärliquidität. Sie kann eine bedeutende Rolle spielen: sowohl zur Erhöhung der Flexibilität als auch zur Sicherstellung der Investitionsfähigkeit in attraktiven Marktphasen.

    ELTIF.info: Was wären typischer Positionen oder Asset für diese Sekundärliquidität?

    Markus Pimpl: Bei einem Multi‑Asset‑ELTIF eignet sich Private Credit hervorragend, da regelmäßige Zinszahlungen Liquidität generieren.

    Bei einem reinen Private‑Equity‑ELTIF sind Direktinvestitionen entscheidend. Aufgrund der genauen Kenntnis der Portfoliounternehmen wissen wir sehr genau, wann Rückflüsse zu erwarten sind: etwa im ersten oder zweiten Quartal 2026. Diese absehbaren Rückflüsse ermöglichen eine präzise Liquiditätsplanung.

    ELTIF.info: Welche Sorge ist größer: aufgrund von zu hoher Liquidität (Cash Drag) nicht genug Performance zu erzielen? Oder aufgrund von zu niedriger Liquidität die Rückgaben einschränken zu müssen?

    Markus Pimpl: Dank der Sekundärliquidität können wir das Portfolio sehr gezielt steuern und haben daher keine strukturellen Probleme mit überhöhter Liquidität.

    Das Thema Cash Drag wird oft diskutiert und ich werde damit häufig auf Panel-Diskussionen konfrontiert. Und ja, kurzfristig kann das Cash die Rendite etwas dämpfen. Im Vergleich zu geschlossenen Fonds sind Evergreen‑Investoren jedoch ab dem ersten Tag voll investiert, während geschlossene Fonds zu Beginn häufig nur zu 20–30 % investiert sind. Über einen langen Zeitraum ist das Investitionslevel bei Evergreens hoch, denn Rückflüsse werden zügig neu investiert. Von diesem Zinseszinseffekt im Evergreen-Fonds profitieren deren Anleger erheblich.

    ELTIF.info: Einen Blick in die Zukunft geworfen: welche Anlageklassen und welche Arten von Fondsgesellschaften werden langfristig die größten Erfolgsaussichten haben?

    Markus Pimpl: Vorab: ich bin überzeugt, dass mittel‑ bis langfristig eine Privatmarktallokation zu einem professionell geführten Privatkundenportfolio gehören wird. Das Gesamtsegment wird weiter wachsen. Ob dies schnell oder schrittweise geschieht, bleibt abzuwarten.

    Über andere Fondsgesellschaften kann ich nicht sprechen. Ich bin davon überzeugt, dass Erfahrung im Privatmarktbereich ein entscheidender Erfolgsfaktor sein wird. Gleichzeitig wird der „ELTIF“ künftig ein sehr breites Spektrum an Lösungen umfassen. Für Investoren wird es dadurch anspruchsvoller, Produkte zu vergleichen und einzuordnen.

    Ich sehe mit etwas Sorge, dass aktuell sehr viele neue Evergreen-Fonds entstehen und dies teilweise von Managern mit wenig Privatmarkt- und Evergreen-Erfahrung. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Anleger und Vermittler.

    Daher begrüße ich Initiativen wie ELTIF.info, die zu realistischen Erwartungen beitragen und das Verständnis für diese Anlageklasse stärken.

    Herr Pimpl, vielen Dank für Ihre Zeit und die Einblicke in die Welt der Evergreen-Fonds

×